Hermannstadt / Sibiu – deutsche Historie in Rumänien

Das heutige Sibiu in Rumänien ist auch vielen Menschen unter Hermannstadt bekannt. Die Stadt wird gern als „Stadt hinter den Wäldern“ bezeichnet. Der Wald ist bezogen auf das sehr waldreiche Gebiet des Apuseni-Gebirges. Dieses trennt die Tiefebene Ungarns und das Becken von Siebenbürgen. In der Stadt leben heute geschätzte 2000 Deutsche. 2007 wurde die Stadt zur Europäischen Kulturhauptstadt ernannt, inoffiziell gilt sie als heimliche Hauptstadt von Siebenbürgen. Es ist gut zu wissen, dass nach wie vor an den Schulen Deutsch gelehrt wird und sogar der Bürgermeister ein Deutscher ist. 1989 kämpften auch diese Deutschen während der Dezemberrevolution gegen Ceausescu, genauso wie die Rumänen selber und versuchten so ein besseres Rumänien zu erschaffen. Sibiu ist eine der schönsten Städte Europas und sie jede Reise wert.

Historie

Am Fuße der rumänischen Südkarpaten liegt Sibiu, im 12. Jahrhundert von deutschen Siedlern gegründet unter dem späteren Namen Hermannstadt. Seit dem 1. Weltkrieg gehört die Stadt zu Rumänien. Geschichte ist hier überall spürbar, sei es geschichtlich als auch architektonisch, als Kulturlandschaft. Die Stadt hat auch eine große Kunstgeschichte, es ist eine spannende Mischung aus alter und neuer Kultur. Die Besiedlung durch deutschstämmige Bürger begann im 13. Jahrhundert. Deutsche Bauern standen unter dem besonderen Schutz von König Andreas dem II. Viele Städte wie Hermannstadt, Kronstadt und Klausenburgerstadt wurden gegründet.

Über Jahrhunderte prägten die deutschstämmigen Siedler das kulturelle und religiöse dieser Landschaften. Anno 1223 nannte sich die Stadt sogar „Villa Herrmann“, benannt nach dem Erzbischof Hermann dem Zweiten. Die Mongolen fielen 1241 in die Stadt ein und zerstörten diese fast vollständig. Nach dem Wiederaufbau im 14. Jahrhundert erhielt Hermannstadt das Stadtrecht. Schnell fluierten hier Handel und Wandel, Hermannstadt entwickelte sich zum größten Handelszentrum weltweit. Als Zeichen aus diesen Zeiten ist die Stadtmauer mit den hohen Türmen und großen Toren Zeuge. Die Stadt hielt vielen Belagerungen im Laufe der Jahrhunderte stand, außer einem ungarischen Fürsten, Gabriel Báthory, gelang es durch einem ausklügelten Schachzug die Stadt zu besetzen. Sie plünderten Hermannstadt aus und verwiesen alle deutschen Bürgern der Stadt. Die Türken belagerten 1438 die Stadt und in diesem Zusammenhang entstanden die drei Mauerringe, die heute noch teilweise erhalten sind mit samt ihren Türmen. Die Türken wurden anno 1442 endgültig vor den Toren der Stadt geschlagen und der damalige Bürgermeister Thomas Trautenberger gelang so zu Ruhm und Ehre. Um 1500 herum hatte Hermannstadt schon 6000 Einwohner.

Durch einen Stadtbrand wurden mindestens 550 Häuser im Jahre 1556 zerstört, davon der größte Teil in der Unterstadt und ein kleiner Teil davon in der Oberstadt. Nachdem Siebenbürgen 1692 Österreich angegliedert wurde, kamen kaiserliche Truppen nach Hermannstadt. Durch einen Erlass des österreichischen Kaisers Josephs II. traten alte Gesetze in Kraft. Diese besagten, dass sich keine Bürger von anderen Nationalitäten in Hermannstadt mehr ansiedeln dürfen, nur Ungarn und Rumänen durften so noch Besitz erwerben. Die Stadt unterstand nun bis 1867, wie auch Siebenbürgen insgesamt, der kaiserlich königlichen Regierung in Wien. Nach dem 1. Weltkrieg gehörte Hermannstadt wieder zu Rumänien. Die absolute Mehrheit der Stadt war noch Deutsch, was sich dann so ab 1930 ins Gegenteil kehrte, die Siebenbürger Sachsen verloren die Mehrheit. Ende des 2. Weltkrieges mussten die meisten Menschen mit deutschen Wurzeln die Landschaft verlassen.

Sehenswürdigkeiten

Sibiu/ Hermannstadt ist eine interessante Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Die Stadt hat zwei bedeutende Plätze, den großen Ring mit der Stadtpfarrkirche und dem heutigen Rathaus und zweite wichtige sehenswerte Platz ist der kleine Ring mit der Lügenbrücke die 1859 erbaut wurde. Sie war erste gusseiserne Brücke Rumäniens. Der Legende nach soll diese Brücke einstürzen, wenn ein Lügner sie betritt. Alte Kunst ist im Bruckentahlmuseums zu bewundern, welches 1817 eröffnet wurde und es ist heute das größte Museum Rumäniens, entstanden in der Zeit des Rokokos, aber selber weist es keine Merkmale dieser Epoche aus. Die historische Bausubstanz ist zum größten Teil erhalten geblieben. Ein Wahrzeichen ist die Dachlandschaft mit ihren vielen Gauben, welche auch als Augen der Stadt bezeichnet werden. Im Jahre 1382 hat die Stadt das Stadtrecht vom ungarischen König erhalten. Die Ware die angekauft werden konnte wurde in den hohen Dächern aufbewahrt. Deshalb sind diese Dächer so hoch gebaut.

Die kleine Lügenbrücke

Das nationale Theater der Stadt bringt sechs Premieren jedes Jahr auf die Bühne. Es ist ein aktives Theater, im Sommer findet in jedem Jahr ein Theaterfestival statt. Um die vielen Sehenswürdigkeiten von Hermannstadt kennenzulernen ist es günstig einen Spaziergang mit Führung zu buchen. Diese Tour beinhaltet die Besichtigung der Lügenbrücke, der Catedrala Ortodoxa Sfânta Treime, der Kleine und der Große Ring und der Casa Calfelor. Allein das mittelalterliche Sibiu ist jeder Erkundung wert. Auf jeden Fall werden Sie erkennen, das so viele Sehenswürdigkeiten und auch Straßennamen zweisprachig ausgeschildert sind, in Deutsch und Rumänisch. Die imposante Stadtmauer ist eine weitere historische Sehenswürdigkeit, die es gilt zu besichtigen.

Catedrala Ortodoxa Sfânta Treime
Catedrala Ortodoxa Sfânta Treime

Hier noch einmal die besten Sehenswürdigkeiten der Stadt zusammen gefasst für einen besseren Überblick. Das sind der Große Ring, das Muzeul ASTRA. Old Town, The Tower of the Council und die Catedrala Ortodoxa Sfânta Treime. Entscheiden Sie sich auch für die Besichtigungstouren wie die Sibiu Besichtigungstour, der Tagesausflug von Sibiu nach Sarmizegetusa, Hunedoara und Alba Iulia und der Halbtagestour zum Balea Lake und Clay Castle im Fairy Valley.

Tipps für die Stadt

Hermannstadt ist immer wieder schön zu erkunden, die Stadt hat einfach eine Seele, Sie finden hier viele Sehenswürdigkeiten aus unterschiedlichen Epochen dieser einzigartigen geschichtsträchtigen Stadt. Glücklicherweise ist die Altstadt voll erhalten geblieben. Es lohnt sich für jeden Besucher und Touristen eine der größten Gemäldesammlungen der letzten 400 Jahre kennenzulernen. Diese einzigartigen Gemälde können Sie im Barockpalast des Fürsten Samuel von Bruckenthal betrachten. Zudem finden sie an dieser Stelle noch viele Skulpturen, Porzellan und altwürdige Möbel. Sie zeugen von alten Zeiten und über die Geschichte dieser Stadt. Ein Tipp am Rande, lernen Sie das Apothekermuseum kennen und die Freilichtanlage Astramuseum. Keine 30 km von Hermannstadt entfernt gibt es den Kurort Paltinis. Mitten in einem großen Nadelwald, welcher für gesunde ozonhaltige Luft sorgt, können Lungenkranke wieder gesund werden.

Auf jedem Fall sollten Sie dem Zoological Gardens einen Besuch abstatten. Erwachsene und Kinder werden hier ein Erlebnis der besonderen Art erleben. Zwar ist der Zoo recht klein, aber fein. Wer einmal in Hermannstadt war, wird auch an den Grafen Dracula denken. Mit einem Tagesausflug werden Sie das Schloss kennenlernen in Bran. Hermannstadt überrascht seine Gäste auf eine eigenartige Weise mit immer wiederkehrendem Flair. In nur zwei Flugstunden von Deutschland entfernt sind Sie in dieser Stadt der Sinne, die in Siebenbürgen liegt und doch so Deutsch ist. Viele Einheimische sprechen Deutsch und jeder versteht sie. Sie denken mal kurzfristig Sie sind in Deutschland, aber Sie sind in Hermannstadt in Siebenbürgen. Möchten Sie sich zwischendurch entspannen, dann können Sie dies in einem schönen kleinen Büchercafé in der Nähe der Johanniskirche tun.

Auch die Evangelische Luther Kirche ist ein Besuch wert. Es lohnt sich ihren Kirchturm zu besteigen, denn von hier haben Sie einen Blick über die gesamte Stadt, über Hermannstadt. Altes und Neues gibt es hier eng zusammen, wie das Zigeunerkönigshaus neben an gleich mal Lidl und REWE stehen. Kleine verwinkelte Gässchen mit schönen bunten Häusern laden zum Bummeln ein. Ihr Herz wird sich für Hermannstadt öffnen. Sie werden es spüren, es ist eine Stadt der Gegensätze, die aber in ein Stadtbild über gleiten welches jeden Fremden verzaubern wird. Hier wird Kultur gelebt mit Deutschen und Rumänen, die sich vertagen und einfach diese Stadt lieben.

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