TOURISMUS SEIT 3000 JAHREN „JUST MALLORCA“

Was macht diese Insel zum beliebtesten Urlaubsziel der Deutschen?

Warum ist es in Palma so schön?

Spanien-Experte Dominik Lechner weiß es und stellt auch die übrigen Ferienattraktionen der iberischen Insel vor.

Über Landwege oder per Boot findet er selbst in der Hochsaison, vor allem an der Nordwestküste, immer noch menschenleere Strände. Und dass bei gut und gerne sechs Millionen Touristen im Jahr – auf jeden Einwohner zehn – und bei einer Fläche so groß wie Luxemburg?

DAS REISEZIEL NUMMER EINS

Die größte der Baleareninseln („Mayor“-ca: größer; im Vergleich zu „Menor“-ca: kleiner) ist auf der Tourismusweltkarte bei weitem die allergrößte Attraktion. Eine Insel, die nun schon seit 23 Jahren sogar einen König verzaubert.

Jenseits der Touristenhochburgen ist das Urlaubsreservat zwischen Pinien, Palmen und Palma noch groß genug. Die Krönung aller Ferienziele bietet nämlich immer noch unerschlossenes, zerklüftetes Gebirge (Puig Mayor, 1443 Meter) mit alpinen Kletterwänden.

Und lockt zwischen Manacor und Llucmajor schon im frühlingshaften Februar mit kilometerlangen Wander- und Radwegen durch ein Meer von sieben Millionen weißen Mandelbäumen und im Mai durch blühende rote Mohnwiesen.

Die wild zerklüftete Nordwestküste zwischen Banyalbufar und Pollenca kurz vor den grauen, steilen Felsklippen der Formentor-Küsten mit dem weißen einsamen Leuchtturm war schon für Phönizier, Römer und Mauren ein attraktives Reiseziel. Fremdenverkehr seit 3000 Jahren.

Was die Mallorquiner letztlich so weltoffen, gastfreundlich und tolerant machte, wie sie heute uns gegenüber sind. Mallorca – auf gleicher Höhe wie Rom und gleicher Länge wie Paris – kam so richtig in Mode, als ein gewisser Frederic Chopin im milden Mittelmeerklima anno 1838/39 seine kranke Lunge behandeln wollte. Er zog mit seiner Geliebten, der Schriftstellerin George Sand, und einem Klavier ins umgebaute Kloster im grünen Hochtal von Valldemossa.

George Sands Roman Ein Winter auf Mallorca wurde ein Bestseller und wirbt noch heute als Slogan für winterliche Kulturereignisse auf der Insel. Chopins Kartause ist mittlerweile eine Pilgerstätte für jährlich 160 000 Touristen. Das Klavier, auf dem er die „24 Preludes op. 28“ komponierte, wird täglich mit einer Rose geschmückt.

DER ERZHERZOG UND DIE TISCHLERTOCHTER

Der erste Prominente, den er nachzog, war 1867 der österreichische Erzherzog („Arxiduc“) Ludwig Salvator von Habsburg-Lothringen. Er ankerte seine Yacht Nixe vor der Küste von Deià, verliebte sich in die Tischlertochter Catalina aus Valldemossa und blieb für 30 Jahre als Naturforscher, Weinbauer und Schloss Besitzer.

Seinen Herrensitz Son Marroiq hoch über den Küstenklippen besuchte damals Europas gesammter Adel, heute jeder vierte (bürgerliche) Inselbesucher. Vor allem der wilde Westen mit dem verwunschenen Bergdörfchen Deià hat sich seitdem mit vielen Promis geschmückt: Charlie Chaplin, Ava Gardner und die Schriftstellerin Anais Nin wohnten hier zwischen romantischem Kirchplatz, Windmühlen (Mallorcas Wahrzeichen), Olivenhainen und knorrigen Feigenbäumen in weiß gekalkten Häusern.

Dann kamen die 68er Hippies, später Elton John und nun auch die allgegenwärtige Claudia Schiffer an die stille Costa zwischen Andraitx und Sóller. Viermal pro Jahr sucht Hollywoodstar Michael Douglas in der Nähe von Deià seine Ruhe.

REICHE GABEN FÜR DEN ARMEN PRINZEN

Die Mallorquiner sind nicht nur tolerant, sondern auch gute Manager. Fast unfreiwillig wurde Spaniens König Juan Carlos zum edelsten Werbeträger Mallorcas. Reif für die Insel machten ihn weitsichtige Geschäftsfreunde, als sie vor 23 Jahren dem damals (armen) Kronprinzen den prächtig renovierten Maurenpalast gleich neben der Kathedrale von Palma zur Nutzung überließen.

Nun gibt Juan Carlos jedes Jahr im Juli/August in seiner Sommerresidenz Marivent (mallorquin-katalanisch für „Meer und Wind“) große Fiestas und fährt mit seiner Yacht Fortuna von Palmas Königlichem Yachtclub aus am liebsten die ganze 450 Kilometer lange Inselküste ab.

SCHÖNE AUSSICHTEN FÜR ROMANTIKER

Auch der König ist – wie mein Freund Tito – immer auf der Suche nach einer idyllischen Bucht mit einem kleinen Fischrestaurant, wo bei deftiger mallorquinischer Kochkunst und frischen Fängen nicht nur ein Juan Carlos königlich speisen kann.

Sind es also die 300 schönen Sonnentage, die kleinen, aber versteckten Inselgeheimnisse, die erholungssuchende Menschen aus aller Welt und allen Schichten anziehen? Ist es der romantische Aussichtsturm Mirador del Mal Pas bei Formentor, den schon der Maler Juan Miró wegen seines Bergpanoramas so liebte? Oder ist es der zerklüftete Talkessel bei Sa Calobra, in dem im Sommer wunderschöne abendliche Freiluftkonzerte veranstaltet werden? Sind es die Millionen Paprikaketten, die zum Trocknen rostbraun an den alten Hauswänden von Sant Jordi und Llucmayor hängen? Dies alles sicher, aber wohl nicht allein.

Da gibt es noch die Perle unter allen mediterranen Städten, Mallorcas Hauptstadt Palma. Ein quirliges, geschäftiges, weltoffenes 300.000 Seelen Zentrum mit großbürgerlichem Flair, eleganten Yachtklubs, noblen Restaurants und einer verwinkelten Altstadt. Mittendrin die riesige Kathedrale mit ihrer himmelstürmenden Gotik, die so mächtig erhaben über Stadt, Fluß und Hafen thront, dass auch Ungläubige gottesfürchtig werden können. Palma bietet Lebenslust in den eleganten Café-Geschäftsstraßen der Rambla oder des Borne. Große Oper in dem prächtigen Theatre Principal. Kulturdenkmäler wie der alte Maurenpalast Almudaina oder die gotische Lonja. Viel dekadenter Charme in den engen Gassen des Puig-de-San Pere-Viertels.

Die Metropole Palma, das Künstlerdorf Deià und die touristische Massenbewegung bei El Arenal – diese Kontraste machen den Zauber aus. Und die vielseitige Naturlandschaft verzaubert die Insel zu einem ureigenen Kontinent. Mallorca – nicht mehr Marbella – ist neuerdings das Dorado des Jet Set, das Florida Europas. Dominik Lechner ist Autor und zugleich Inhaber des Immobilienportals Mallorca Properties

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